Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleg*innen,
wie so oft in der Politik würden wir diese Debatte heute nicht führen, wenn Frauen die Sache nicht selbst in die Hand genommen hätten.
Und deswegen möchte ich Johanna Röh und ihrer Petition danken, die schon vor Jahren darauf aufmerksam gemacht hat, was für Missstände wir hier in Deutschland haben, und auch allen Frauen und Müttern, die sich im Bündnis Mutterschutz für Alle! engagieren.
Selbstständige Mütter haben im Gegensatz zu angestellten Müttern nämlich keinen gesetzlichen Anspruch auf Mutterschutz. Selbstständige Mütter müssen oft aus eigener Tasche die Kosten für die Zeit vor und direkt nach der Geburt zahlen. Damit entstehen strukturelle und finanzielle Nachteile, und die betreffen mal wieder nur Frauen. Um genauer zu sein, betrifft es 27 000 Frauen im Jahr. Das ist nicht hinnehmbar. Das müssen wir endlich ändern.
Natürlich kann man auch heute schon Mutter und selbstständig sein. Doch der Preis ist hoch. Und wie hoch er ist, habe ich letzte Woche noch einmal eindrücklich erzählt bekommen: eine Frau, die direkt bis zur Geburt noch im Handwerk gearbeitet hat, auf der Baustelle war, und nach der Geburt direkt wieder anfangen musste zu arbeiten. Letztendlich musste sie ihr Unternehmen aufgeben, weil sie ein zweites Kind bekommen wollte und das mit dem Betrieb einfach nicht vereinbar war. Oder die Leistungssportlerin, die ihren Kaderplatz verliert,
und, wenn sie nach der Geburt wieder anfangen will, keine Kinderbetreuung und keine Unterstützung bekommt.
Das sind nur zwei Geschichten von vielen. Aber sie zeigen, dass selbstständige Frauen oft vor die Entscheidung gestellt werden: Kind oder Selbstständigkeit. Was ist das für ein fatales Zeichen?
Mutterschutz ist kein Nice-to-have. Er ist notwendig für die Geschlechtergerechtigkeit. Er ist notwendig, damit auch Frauen echte unternehmerische Chancen bekommen. Er ist notwendig, weil der Schutz von Frauen rund um Schwangerschaft und Geburt auch ein Wert an sich ist. Wir brauchen endlich einen Mutterschutz für alle Mütter.
Deswegen fordern wir ganz konkret einen pauschalen Basisausgleich von 5 000 Euro und Unterstützung, wenn eine Vertretung oder eine Betriebshilfe gebraucht wird. Mutterschutz darf nicht davon abhängen, ob man angestellt ist oder ob man ein eigenes Unternehmen führt.
Das politische Zeitfenster ist jetzt. Denn aktuell werden Änderungen beim Elterngeld verhandelt. Und, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sollten diesen Zeitpunkt nicht verstreichen lassen. Deswegen: Lassen Sie uns zusammenarbeiten und gemeinsam schauen, wie wir endlich einen Mutterschutz für alle verwirklichen können.
Vielen Dank.