Denise Loop, Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/ die Grünen zum Thema sexueller Kindesmissbrauch und Nyke Slawik, Mitglied der Kinderkommission für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen:
„Die Epstein-Files sind erschütternd. Es geht um systematischen sexuellen Missbrauch durch reiche Männer von minderjährigen Kindern. Aber nicht nur die neuen Enthüllungen an sich, sondern auch der Umgang damit zeigt, dass wir ein globales Umdenken und mehr globalen Kinderschutz brauchen. Eine Aufarbeitung kann nur dann gelingen, wenn im Sinne der Opfer die Machtstrukturen, die diesen Missbrauch ermöglicht haben, zur Rechenschaft gezogen werden. Die Perspektive der Opfer muss anerkannt werden, schon viel früher hätte ihnen zugehört werden müssen.
Und auch für Deutschland lässt sich aus dem Fall lernen. Denn auch wir müssen uns mit gesellschaftlichen Entwicklungen auseinandersetzen, die Frühsexualisierung normalisieren oder bagatellisieren und damit die Schutzbedürfnisse von Kindern untergraben. Kinder haben ein Recht auf Schutz, auf Unversehrtheit.
Im Jahr 2024 gab es laut BKA-Lagebild etwa 18 085 Opfer von sexuellem Missbrauch in Deutschland. 95 Prozent der Täter waren männlich. Wir brauchen konsequente Aufklärung, internationale Zusammenarbeit, eine Stärkung von Prävention und Opferhilfe. Und wir brauchen vor allem den politischen Willen, auch dort hinzusehen, wo es unbequem wird, egal ob Täter aus der Familie stammen oder zu den Reichen und Mächtigen gehören.
Der Fall Epstein steht exemplarisch für ein System, in dem Reichtum und Einfluss zu lange wichtiger waren als die Rechte von Kindern. Das ist ein strukturelles Problem, auf das wir strukturelle Antworten geben müssen. Niemand darf so mächtig sein, dass sich der Verantwortung für solche Taten entzogen werden kann.“